Was sich vor mir ausbreitet – immer noch schön.

 

Für meinen Opa gab es zeitlebens nur einen Beweis dafür, dass man es geschafft hatte: Wenn man ihn und meine liebe Omi im brandneuen, eigenen Benz aus der Mietwohnung in Hamburg-Harburg abholen käme. Gut sichtbar für die Nachbarn selbstverständlich. Diese Benzlastigeit in Prestigefragen kann ich bis heute nicht abschütteln. Sonst ist es wohl kaum zu erklären, warum ich so sehr auf den Mercedes SLS AMG abfahre, dieses flügeltürige, 13,2 Liter schluckende Angebertöfftöff für schlappe 190.000 Euro. Um mich zu entlieben denke ich schleunigst an die kürzlich wohl verifizierte Existenz des Higgs-Teilchens, dessen Daseinsaufgabe es ist, MASSE ZU ERMÖGLICHEN. Also auch den Benz erst zu materialisieren. Das aber nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:1.000.000, was in des Wissenschaftlers Weltsicht nicht als wirkliche Entdeckung gewertet wird, weil die eine Wahrscheinlichkeit von 1:1.700.000 voraussetzt, was der Wahrscheinlichkeit entspricht, 8 x hintereinander eine 6 zu würfeln. Wer sich sowas ausdenkt und festlegt? Höchstwahrscheinlich der Wahrscheinlichkeitsbeauftragte der Bundesregierung. Der fährt aber mit 16-facher Sechserserienwürfelwahrscheinlichkeit keinen Benz SLS. Und wenn doch?

 

„Das Leben ist Scheiße aber wir können es auch nicht so Ernst nehmen und trotzdem eine schöne Zeit haben“, sagt Laura Bean in einer der Berlinfolgen. Die schöne Frau mit den roten Haaren ist Country- und Bluegrass-Sängerin in Berlin, einer Stadt, in der für sie alles geht. Eines ihrer Lieblingslieder ist Rain and Snow:

Hat mich heute die Scheiße sehr viel besser ertragen lassen.

Sie ist irgendwie aus der Zeit gefallen, very Fassbinder.

 

Wie immer, wenn ich hier ganz lässig eine Themenreihe ankündige geht mir vor lauter Alltag schnell die Puste aus. Aber wenn etwas relevant ist, ist eine lange Taktung ja gar nicht so verkehrt. Dann haben alle Zeit zum Verdauen. Hier also ist das Logo No. 2, das zeigt, dass Globalisierung im Labelling nicht alles ist.

Es handelt sich um eine Eventankündigung – ein Fahrradrennen – , auf dem tschechischen Blog Pedal Project. Und weil ich kein Tschechisch kann und das Ganze auch nicht verlinkt und googlebar ist, kann ich hier wenig Hieb- und Stichfestes zum Hintergrund vermelden. Finde einfach die am Rad drehenden Täubchen mit Zylinder, Monokel und Zahnrad ganz liebreizend. UND: Kaum vorstellbar, dass ein Mountainbike- und BMX-Rennen weiter westwärts derart illustriert angekündigt werden würde. Ahoj!