
Ijoma Mangold hat in der Zeit behauptet, dass man entweder druff ist oder nicht, auf Facebook. Dazwischen gäbe es irgendwie nix: „Natürlich ist es so: Wer bei Facebook nicht mitmacht, spricht wie der Blinde von den Farben. Und wer mitmacht, hat schon Blut geleckt und ist auf Droge.“ Stefanie Soehnchen schlägt jetzt beim PR-Blogger in eine ähnliche Kerbe und stellt deshalb in der Morgenwelt die wichtigsten Tools für SM-Nichtsverpasser zusammen. Aaaaalso. Ich habe mitgemacht, hatte meinen Spaß, es sogar geschafft, meinen Freundeskreis auf hygienische Hundert zu reduzieren – was echt gar nicht sooo einfach ist auf Facebook. Wenn man denn ein hübsches Profilbild hochlädt. Und hatte nach ein paar Monaten trotzdem keinen Bock mehr. Warum nicht?
Nun, bei Facebook geht es um Potenz. Es geht im Wesentlichen darum, zu zeigen, wie toll man sich vernetzen und wieviel Freunde man im Blitztempo um sich scharen kann. Ist ein okayes Gefühl, zu sehen, dass man mitspielen könnte. Wird aber auch wahnsinnig schnell langweilig, weil das alles so unexklusiv ist. Auf toller Party gewesen? Das müssen aber jetzt gleich sofort auch mal alle in die Achselhöhlen geschmiert bekommen. Heftig angeflirtet? Schaut mal h-i-n! Ganz ehrlich: Ich habe Freunde, weil ich mit ihnen Dinge erlebe, die ich eben NUR mit ihnen erlebe. Und die ich nicht mit anderen „sharen“ will. Muss auch keiner wissen, was da so unter der Hand läuft.
Und das, was mehr Andere sehen, fühlen und wissen sollen, das erfahren sie hier auf meinem Blog. Das ich selbst gestalten kann – der Performancerahmen, den Facebook mir gibt, ist nämlich grottenhässlich. Außerdem muss ich hier nicht darüber nachdenken, welche Funktionen ich alle deaktivieren muss, damit meine Daten nicht bei Lidl, Lippischer Landesbank oder Lacoste landen. Ist so ein bisschen der Unterschied zwischen Treffen in der Großraumdisco oder im Privatclub. Große, fette Elbphilharmonie oder kleiner, kuschliger Pudel, die Elbphilharmonie der Herzen.

Ihr entscheidet.

© Rookie: Erst lesen, dann deflorieren
Es gibt viele, b-e-ä-n-g-s-t-i-g-e-n-d stilsichere Bloggerinnen unter 18 da draußen. Anouk haben wir in einem Film für OTTO und auf Two for Fashion ja schon umfangreich gewürdigt. Top of the pops: selbstverständlich noch immer Tavi Gevinson. Die hat letzten Monat neben ihrem Blog Style Rookie mit illustrem Clan ein Onlinemag für smarte Teenage Girls gestartet, Rookie. Jeden Monat wird dreimal täglich – nach der Schule, nach dem Abendbrot und vorm Zubettgehen, im Girls Rhythm eben – zu einem bestimmten Topos gepostet. Monatsthema Oktober: Geheimnisse. Vieeelversprechend. Und es geht auch gleich ran an den Speck mit Themen wie Depressionen und Selbstbefriedigung.
Ist so toll, dass das Modemädchen mit den manchmal grau gefärbten Haaren sich ganz offensichtlich nicht hat plattmachen lassen von der Modebiz-Dampfwalze. Lässt man sich mit einem Diplom oder Master nicht oft allzu schnell einen „Ja, ich bin integrierbar!“-Button an die Jacke heften? Das frage ich mich, wenn ich die wilde Leidenschaft sehe, mit der die School's out-Bloggerinnen zur Sache gehen. Und sie mit den oft merkwürdig devot-uniformen Bewerbungen der Hochschulabsolventinnen vergleiche, die bei mir auf dem Schreibtisch landen. Wann bloß haben sich die Studentinnen von unkalkulierter Daddelei, exessivem Experiment und tiefbohrender Sinnsuche verabschiedet? Hab' Morgensternschmeißerinnen wie Chiaki Kuriyama furchtbar gern. Oder Rookie-Pack, das statt mit Metall mit Worten, Bildern und Filmen um sich schmeißt.

Ist hilfreich für einen okayen Start in die Woche, wenn man sich selbst in der Branchenpresse gewürdigt findet:
Silber für den OTTO-Blog. Dank an die Redaktion für das außergewöhnlich vor der Idee.

Heut auf dem Weg zur Arbeit wieder am Pfennigpfahl vorbeigehuscht. Schlaue Flaneure mögen dabei die verflixte Rex Gildoisierung des Alltags betrauern. Mich rührt es irgendwie, dass die Menschen auf Glück hoffen, wenn sie den Pfahl treffen. Manchmal lassen sie sich beim Werfen auch fotografieren. Ach, die wollen doch nur spielen. Wie ich. Aber warum lange rumhoffen, wenn ich doch weiß, wie ich mein Glück gleich haben kann? Brauche dafür kein Geld, kein Zeug, keinen Strom. Mein Spielplatz ist unplugged. Freue mich schon aufs Wochenende, mi amor:

Hab' ja schon mal drüber geschrieben, dass man manchmal ein wenig rumeiern muss um zu erklären, was Corporate Publisher so tun. Da ist es immer gut, hin und wieder neue, griffige Schlagworte raushauen zu können. Hält wach. Beim Nachdenken über einen neuen Claim für Companions war ich heut zunächst bei
COMPANIONS, más integración.
Weil 1. doch alle jetzt immer über integrierte Kommunikation reden, ich 2. den DFB-Spot immer noch gut finde und 3. der Ironie im Corporate Publishing dringend ein höherer Stellenwert eingeräumt werden sollte. Da wir schon dabei sind:
COMPANIONS, Buchstaben zum Gernhaben
COMPANIONS, the Kuschel Company
COMPANIONS, die mit der Goldwaage
Cormorane würden COMPANIONS kaufen
COMPANIONS, nie mehr 2. Liga
COMPANIONS, ist es die da?
Ahhhh, COMPANIONS!
Na ja, so kann das im Hihi-Modus natürlich ewig weitergehen. Mal im Ernst. Digitales Corporate Publishing, also das, worin Companions besonders gut ist, ermöglicht es im besten Falle, Kommunikatonsangebote sehr aktuell und sehr maßgeschneidert machen zu können. Der Kunde bekommt Informationen, Service und Unterhaltung, nach der er in einer bestimmten Situation gerade verlangt – ohne unnötigen Ballast. Dermaßen punktgenau konzipierte Medienangebote respektieren das immer knapper werdende Zeit- und Aufmerksamkeitsbudget der Kunden. Und werden deshalb nachhaltig geschätzt. Es geht also im Optimalfall um Customized Communication. Holla, da hätten wir es doch schon:
Companions: Customized Communication.
„Customize your Communication“ – das ist doch auch als T-Shirt-Claim gar nicht soooo übel.

Heute hier auf meinem Blog, ganz ohne Timeline.
Facebook ist beleidigt. Kaum aus dem Urlaub finde ich vieeele kleine Mails, weil ich angeblich wahnsinnig dort vermisst werde. In muckschem Ton läuft alles auf die Frage hinaus, warum um Himmels willen ich denn nicht mehr dabei sein will. „Es kommt mir obszön vor, wenn Menschen jederzeit erreichbar sind. Wenn ich mich sofort an die Stimme des anderen anschließen kann. Es ist nicht richtig. Es stört mich. Es scheint mir obszön, dass es keines Weges, keinerlei Anstrengung bedarf, um mit jemandem zu kommunizieren. Es gibt nur noch den Umweg über die Droge, über kleine Maschinen, die uns mit ihren Stimmchen anpflaumen: „Los kommuniziere!“ Dass Facebook mich im Nachhinein anpampt ist für mich der beste Beweis, dass es goldrichtig war, den Hut zu nehmen.
Das Zitat stammt übrigens von Godard aus der aktuellen Zeit. Manchmal vergesse ich glatt Helden wie ihn und dass Le Mépris einer der besten Filme aller Zeiten ist. Er hat kein Handy und ist dabei überhaupt nicht unmodern, geschweige denn unproduktiv. Monsieur wird im Dezember 81 und hat einen neuen Film fertig: Filme Socialisme. Worauf es ankommt? Bei sich zu sein und sich auf die wichtigen Dinge des Lebens zu konzentrieren. Okay, komme aus dem Urlaub, da ist es leicht, dermaßen entspannt zu sein. Godard schlägt übrigens auch vor, den Griechen, bei denen wir zu Gast waren, immer dann 10 Euro zu überweisen, wenn man sich der aristotelischen Logik bedient. Finde ich ganz vernünftig.
