Eigentich bin ich keine Freundin von Blättermagazinen im Web. Schon das elektronische Knistern beim Seitenwechsel spricht absolut gegen die Ausweitung der Pageflipzone. Aber es geht ja auch ohne und das in fantastischem Layout. Google UK hat jüngst Think Quarterly ins Netz gestellt, ein 62 Seiten-Magazin, das von The Church of London gestaltet wurde. Und um zum 2. Eigentlich zu kommen: Eigentlich lese ich ja erstmal richtig rein, bevor ich drüber schreibe. Diesmal ist aber schon die Oberfläche rezensionswürdig. Schon eine Klasse für sich, wie hier mit dem 3-spaltigen Layout umgegangen wurde: sehr vielseitig, dabei doch ruhig und klar, ganz unaufgeregt schön. Und wenn man sich die namhaften Contributoren anschaut, darf auch nicht befürchtet werden, dass der Inhalt hinter der Fassade zurück bleibt.

Think Quarterly ist fast komplett illustriert, Fotos werden nur verwendet, wenn es darum geht, Menschen zu zeigen (6 x im ganzen Mag). Da sich die erste Ausgabe dem Thema „Data“ widmet, ist dies ein logisch korrektes Vorgehen, denn: Wie zeigt man Zahlen, Daten, Informationen in Bildern? Die geballte Komplexität der Daten ist oft nicht in einem Foto zu fangen. Das Resultat dieses Versuchs ist nicht selten trampelnde Simplifizierung.

Und vor der Typografie haben die Gestalter nun wirklich einmal Respekt. Die Schönheit der Buchstaben, sie ist in diesem Magazin zu sehen.

Ganz wie auf unserem Typoherz, dem Logo von Companions.

Die haben das Publizieren einfach drauf, die Engländer!

Alle Abbildungen: © Google UK

 

So sah es Ende des Jahres eines Morgens in unserem Büro aus:

Klarer Fall von Dachschaden. Kam doch einfach mal die Decke runter, weil die Heizung geplatzt war. Da der Vermieter uns daraufhin ein wenig gequält hat, haben wir beschlossen, aus dem Evakuationsbüro, in dem wir jetzt residieren, nicht mehr ins alte zurückzukehren. Und zum 1.4. an den Sandtorkai 73 zu ziehen. Directamente an die Elbphilharmonie, 6. Stock, die Elbe zu unseren Füßen. Einfach ganz, ganz wunderbar. Die ersten iPhone-Blicke aus meinen beiden Chefbürofenstern lassen es erahnen:

Schon irgendwie ein bisschen großer Bellheim. Ab 1.4. dann von dort.

 

 

Freue mich: In der Kategorie „Corporate Weblog“ des Deutschen Preises für Onlinekommunikation gab es über 400 Bewerbungen (!) und wir haben es mit unserem für OTTO produzierten Blog Two for Fashion unter die letzten drei Nominierten geschafft. Die Entscheidung fällt am 14. April wieder einmal (beim Econ Award hat uns die Hauptstadt ja Glück gebracht) in Berlin. Überlege jetzt schon, was ich anziehen werde, knifflig, wie immer. Und an alle Freunde da draußen: Daumen bitte feste gedrückt halten!

 

Dieses schöne Bild ...

... habe ich Mitte Februar auf meinem I like my Style-Account gepostet – und es auch als mein Facebook-Profilbild der Welt nicht vorenthalten wollen. Nun haben die lieben Geishas hier in meinem Büro während meines Urlaubs folgendes Bild in der GALA vom 11. März entdeckt:

Kann das Zufall oder eine bloße Fashiongott-Flause sein? Oder waren das der Heidi ihre Stylescouts, die ein bisschen auf Ilikemystyle gesurft und Klummi dann gesteckt haben „Mach ma“? Ist wahrscheinlich totaler Quatsch, diese Idee. Aber schöner. Und was lernen wir aus alldem? Strumpfhosen können wirklich zu denken geben – unlösbare Rätsel tun sich auf. Mathe nix dagegen.

 

Es war einmal ein Café in Hamburg. Da traf sich immer das, was man die Medienszene nennt. Man aß, man redete, man machte Geschäfte. Meistens zahlten die Männer. Eines Tages schraubte eine Frau das goldene Waschbecken in der Damentoilette ab, bei den Männern gab es sowas Schönes nicht. Sie schleppte das Becken mcmurphymäßig raus, versilberte es, schmiss eine Lokalrunde nach der anderen und flog über das verdammte Kuckucksnest. Von da an änderte sich alles.

 

Habe meinem Mann kürzlich Adolf Loos' „Warum ein Mann gut angezogen sein soll“ geschenkt. Darin geht es, wenig verwunderlich, um die schnörkellose Kleidung des Reichen im Geiste und streng gegen unnötigen Aufputz. Eben die typische Gnadenlosigkeit des Bauhäuslers. Sympathisch und reinigend in einer Zeit, in der über ästhetische Regeln rübergelatscht wird wie über einen verschmutzten Zebrastreifen auf der Elbchaussee.

Vor allem im Netz scheint kluge Reduzierung (s.u.) kein Programm zu sein. Das findet auch David Gelernter und fordert im faz.net eine Kritik der Software-Architektur. Die nehmen wir, so der us-amerikanische Informatiker und Kulturjournalist, nämlich allzu schäfchentreu hin. Wir warten, bis uns was vorgesetzt wird, passen uns an, puzzlen uns durch. Die Architektur von Wicrosoft oder iTunes vergleicht Gelernter hübsch fies mit der überladener Rokokopaläste. Unnötiger Schnickschnack stehe der klaren Darstellung einer einfachen Grundstruktur im Wege, die im Grunde auf der bedürfnissensiblen Anordnung der raum- und zeitbezogenen Organisationsstrukturen bestehe. Wie auf dem persönlichen Schreibtisch im Realbüro.

Und Gelernter unterfüttert sein Plädoyer mit jeder Menge vernünftiger Vorschläge: „Es gibt keinen zwingenden Grund, weshalb MP3-Player Apps auf der obersten Bildschirmebene als Icons und Musik auf niederen Ebenen textlich darstellen. Wenn man auf einen Song häufiger als auf ein bestimmtes App zurückgreift, sollte ein Icon, das diesen Song repräsentiert, aufwärts wandern und einen Platz neben den übrigen Icons auf dem obersten Bildschirm erhalten, während das weniger häufig eingesetzte App auf eine tiefere Ebene verlagert wird.“ Wohl wahr. Auch die Vision, Daten und Dateien bequem zwischen allen Geräten hin und her schieben zu können, gehört zu seinen Passionen. Die schlampige Darstellung und Handhabungs-Architektur von Informationsstreams sind ihm ein Dorn im Auge. Ein neues, zeitgenössisches Bauhaus würde sich mit kluger Technikaffinität und dem Willen zur Formkonsequenz diesem Feld, da ist Gelernter überzeugt, erfolgreich annehmen. Und endlich einen ordentlichen MP3-Player entwickeln. Wäre schon schön.

 

Habe beschlossen, hier mal eine kleine, feine Kritikreihe von deutschsprachigen Corporate Magazines zu starten, die schon auf dem iPad sind. Laut CP-Monitor-Liste sind das ja so um die 25. Überschaubar. Alle frickeln sich was zurecht, es gibt wenig Standards – welch ein prächtiges Rezensionsfeld! Den Start macht: „Ideen bewegen“, das Corporate iPad-Mag von smart.

Am Anfang war das Feuerholz. Das tippt man an, es zündet und bringt die Welt zum Rotieren. Ahhh, genau: wie smarte Gedanken. Ein hübsch methaphorischer Einstieg also. Verspielt geht's auch weiter durch die 17 Kapitel der App. Irritierend: Man wird nirgends begrüßt, ein Editorial fehlt. Dabei hätte es sich angeboten bei der wirklich sehr vornehm zurückhaltend gebrandeten App – schließlich weiß nicht jeder, dass „Ideen bewegen“ der Claim von smart ist. Und ohne diesen Zündstoff ist die Kurve zur thematischen Klammer kaum zu kriegen. Auch die Kapitelauswahl erscheint wahllos, sie ist weder alphabetisch noch sonstwie strukturiert, Rubriken wie Gesellschaft, Sport, Lifestyle und Umwelt sind einfach irgendwie nacheinander aufgefädelt.

In den Kapiteln, die mit einem Fingerwischen ganz konventionell aufgeblättert werden, geht es allerdings mit sehr liebevoll designtem und animiertem Schnickschnack zur Sache: Hier haben sich Ideen-Liebhaber ausgetobt. In der „Mode“ rattert erst einmal ne Nähmaschine, ein Maxirock rippelt sich mit einem Tipp auf den heraushängenden Faden zum Mini auf und gibt den Text zum Thema frei, im „Film“ muss sich erst einmal eine 3D-Brille vor den Text schieben, damit er zu lesen ist, im „Umwelt“-Kapitel trudeln Plastikflaschen übers Tableau. Die Sache, um die es sich dreht, sind übrigens Ideen – Minirock, Fosbury-Flop, Recycling –, schon vergessen? Das Mag versammelt Geistesblitze, präsentiert sie mit hübschen Gimmicks, man hat nicht viel zu lesen. Die Texte sind kurz, knackig, passen fast immer aufs Tableau, scrollen muss man selten. Schade, dass die Drehmöglichkeit des iPad nicht genutzt wurde – es wird stets nur eine Variante auf dem Pad erzählt: hoch oder quer. Wenn man dreht, findet nichts weiter statt. Schade, denn das ist schließlich auch eine schöne Idee. Bisschen nervig auch, dass man immer warten muss, bis die animierten Gimmicks durchgelaufen sind, um weiterzukommen. Derlei Beschränkungen mag der Magazinleser, der beim Blättern ja stets seinen eigenen Leserhythmus bestimmt, nicht gern leiden.

Als Mitmach-Option gibt es – Kopfgeburt ick hör Dir trapsen – einen Ideenmelder. Um Ihn zu erreichen, müssen Seifenblasen weggepustet (!) werden. Bis 30. April 2011 können die User ihre Ideen für die Neuauflage der App an die Redaktion schicken. Die sechs Ideengeber, die es in die App schaffen, werden dort nicht nur benannt sondern bekommen eine Jambox obendrauf. Immerhin.

Alles in allem macht „Ideen bewegen“ Spaß. Man hat beim Gucken die rot glühenden Wangen der Entwickler und Gestalter vor Augen, die diesen schönen neuen Platz so fintenreich bespielen durften. Gut, das ist nun sicher nicht die vorrangig angepeilte Vision von smart gewesen. Aber trotzdem sympathisch. Etwas mehr roter Rippelfaden hätte der App allerdings prächtig gestanden. So hat das Feuerwerk mehr sprühende als nachhaltige Effekte. Trotzdem **** von ***** möglichen Sternen. Weil die Vielfalt der kleinen Animationen einfach zeigt, was am iPad so schön ist: streicheln, spielen, schauen, staunen. Für kluge Reduzierung ist ja immer noch Zeit.

Alle Abbildungen: © iTunes