Das Factbook ist eine Publikation unseres Branchenverbandes Forum Corporate Publishing. Allein deshalb verdient es Beachtung. Und es gibt auch was Neues: „Erstmals mit dieser Ausgabe bringen FCP-Mitglieder als Autoren ihre geballte Kompetenz ein. Sie sorgen für den Insiderblick auf zahlreiche Best Practices quer durch alle Branchen und CP-Medien", heißt es auf der Homepage des Forums. Was steht denn nun drauf auf den 115 Seiten? Erst einmal gibt es eine Definition:

Hmmm. Von wem diese Begriffserklärung wohl stammt? Leider fehlt die Quellenangabe. Was bedeutet in diesem Zusammenhang einheitlich aufbereitet? Und was genau sind „interessante Unternehmensinformationen“? Kann das nicht auch Werbung sein? Und wenn ein Kundenmagazin wenig Firmennews und viel Unterhaltung bietet, gehört es dann nicht mehr in den Bereich Corporate Publishing?

Für die Strukturierung hat man sich, in Zeiten, in denen ein lautes „WENIGER“ aus allen Ecken tönt, wohl vorgenommen, einfach mal ein fettes „MEHR“ vor alle Themen zu setzen. Mehr Content, mehr Print – okay. Aber „Mehr International“? Das tut mir schon ein bisschen weh.

Die Artikel selbst decken das weite Feld des Corporate Publishing ab: Twittern, Bloggen und Web-TV sind ebenso Thema wie Corporate Trailer, Geschäftsberichte und Advertorials. Überraschend: Wurde die teure Produktion eines hochwertigen Kundenmagazins in der Vergangenheit fast ausschließlich mit qualitativen Argumenten verkauft (Imagebildung, Kundenbindung und -gewinnung, Exklusivität) sticht jetzt (in Zeiten der Krise?) auch die quantitative Karte.

In der Rubrik „Umsatz“ wird CP als Vertriebsweg vorgestellt. Vor allem durch Individualisierung und Couponing sollen Kundenmagazine in Verkaufsförderungsinstrumente mit messbarem Erfolg zu verwandeln sein. Eine nicht unmögliche aber schwierige Gradwanderung, denn journalistischer Anspruch verträgt sich in den wenigsten Fällen mit dem Anspruch der direkten Verkaufe. Am Ende sollte das Corporate Medium selbstverstänlich Gewinne für das Unternehmen generieren. Das Problem ist, dass die Spur vom Medium zur dadurch erzielten Umsatzsteigerung eben kein gradliniger, exakt nachzumesseder Track ist.

 

© PETA

So viele Postkarten hatte der schlaksige PETA-Aktivist sicher schon lange nicht mehr unters milde lächelnde Volk bringen können wie gestern abend im CCH. Kein Wunder, hatte er doch endlich mal ein Heimspiel vor dem Konzert eines der wohl überzeugtesten Vegetarier dieses Planeten und deshalb überzeugendsten Testimonials der Tierschutzaktivisten. Der laut New Musical Express „einflussreichste Künstler aller Zeiten“ ist aber auch dermaßen cool, dass selbst ich, die absolut keinen Sinn darin sehen kann, bei einem Biosteak nein zu sagen, nach dem gestrigen Konzert darüber nachdenkt, Vegetarierin zu werden. Denn wenn dadurch auch nur ein wenig Morrisseysche Coolness abfärbt, dann hat sich der Fleischverzicht doch schon gelohnt. Zugegeben, mit Corporate Publishing hat das nur ganz am Rande zutun. Aber es muss einfach mal gesagt werden, dass das gestern in Hamburg ein herrliches Konzert war: laut, hart, schnell. So soll es sein. Humor hat der Mann zwar keinen, zumindest nicht, wenn es um seine Arbeit geht. Nach dem Motto „Wenn der Kuchen spricht, haben die Krümel zu schweigen“ hat er denn auch mal nach kaum einer Stunde einen Konzertbesucher, der offensichtlich einen nicht genehmen Spruch gebracht hat, aus der Halle entfernen lassen. Da waren dann alle „Hamburgists“ (Hamburger sei dasselbe wie Hot Dogs befand der Meister und hat uns deshalb umgetauft)  entsprechend eingenordet und benahmen sich angemessen demütig.

 


© niiu

niiu wird ausgesprochen wie „new“. Das passt: Die Idee der individualisierten Tageszeitung ist zwar sooo neu nicht, dass es sie aber ab heute tatsächlich – wenn auch vorerst nur in Berlin – geben wird, ist eine bemerkenswerte Neuigkeit. Und die Partner können sich sehen lassen: von der New York Times über den Tagesspiegel bis taz, Bild und Frankfurter Rundschau sind etliche namhafte Blätter und Internetpartner dabei, aus deren Inhalten sich Kunden aus Berlin ihre eigene Zeitung maßschneidern können. So sähe meine niiu aus:

Titel: New York Times & taz
Politik: taz, FR & NYT
Feuilleton: NYT, Tagesspiegel, FR

Das Ganze mit so um die 10 Seiten sehr handhabbar. Bin gespannt, wie das gute Stück tatsächlich in der Hand liegt und werde mir von Freunden aus Berlin Probeexemplare zeigen lassen. Dann mehr.

 

Häagen Dazs kann man nicht richtig schreiben und schon gar nicht richtig aussprechen. Dass dies einer Marke nicht schaden muss, beweisen die Icecreammen aus den USA. Per Newsletter kam heute die Nachricht, dass die Eisfabrikanten ihre hdhb-Kampagne („help the honey bees“) noch ausbauen wollen.

Als Reaktion auf das Bienensterben verteilte HD großflächig Tütchen mit Samen für Blumen, die Bienen mögen, lancierte ein unglaublich erfolgreiches Bee-Boy-Video, entwickelte eine spielerische Aufklärungswebsite zum Thema und initiierte zahlreiche Social Media Save a Bee-Initiativen dezidiert nachzulesen hier). Millionen von Menschen haben sich an den Aktionen beteiligt, weil sie a.) schnell da waren und b.) überhaupt nicht übertrieben gutmenschlich rüberkamen, denn die klebrig-süßen Häagen Dazs-Produkte würde es ohne Früchte und Honig nicht geben. Alles gesundes Eigeninteresse und das kennen wir ja gut von uns selbst. Ist eben die goldrichtige Strategie, wenn die Marke nicht besser sein will als wir. Und trotzdem Gutes tut.

Und dann gab's ja im Sommer auch noch diesen Bee Movie, der die Pieksbiene mit einem Niedlichkeitsfaktor versehen hat, von dem sonst nur Babyeisbären profitieren. Doch auch ohne dieses perfekte Timing verzahnt die Corporate Communication von Häagen Dazs Online-Initiativen und -Infomanagement perfekt mit Maßnahmen im wirklichen Leben. Glaubwürdig, macht Spaß und das Ergebnis stimmt auch. Warum, ja warum ist sowas nur hierzulande undenkbar?

Weil's so nett ist, hier noch einmal das Bee-Boy-Video:

 

Manchmal reichen nur ein paar Sekunden, um definitiv klar zu machen, wer hier cool ist und wer nicht:

Hier gefunden, danke.