Ich schätze Klaus Eck, den PR Blogger. Seine Analysen kann ich trotzdem manchmal nicht teilen.

Klaus Eck geht davon aus, dass sich Twitter schon jetzt „effektiv für die Unternehmenskommunikation nutzen lässt.“ Und begründet das u.a. mit der Interpretation obiger Grafik, die eigentlich Erschütterndes zeigt: Dass die durschnittliche Followerzahl auf Twitter nämlich nur schlappe 42 beträgt und fast 50 Prozent der zwitschernden Zeitgenossen gar keinen bzw. höchstens fünf Follower haben. Der Durchschnitt wird mächtig angehoben durch Promis wie Aston Kutcher, dem auf Twitter schon mehr Menschen folgen als Berlin Einwohner hat. Und dann schreibt Herr Eck dazu: „Bislang ist es 170 Twitterern gelungen, jeweils über 1 Millionen Follower anzulocken. Über die Qualität der Inhalte und der "Leser" sagt das noch nichts aus. Aber es zeigt zumindest, wie attraktiv Personen- wie Unternehmensmarken auf Twitter sein können.“ Dass Personenmarken attraktiv sein können zeigen diese Zahlen allerdings. Aber warum Unternehmensmarken? Dass Leute in Scharen Ashton Kutcher folgen, ist leicht nachzuvollziehen. Schließlich wollen wir alle wissen, ob nicht Demi Moore doch eine unschöne Warze auf dem Po hat. Aber warum sollten sie langfristig dem Getwittere von Axe, Dove,Twix & Co. folgen? Wenn die Marken kein Gesicht, keinen Charakter einkaufen, dem man die Messages zuordnen kann? „Oh, heute möchte ich mal wissen, welche neue Caramelzusammensetzung es im nächsten Jahr für mein Twix geben wird?“ – auf solch einen Impuls können Unternehmen lange warten. Und das ist auch gut so.

 

Directly imported aus dem Kai sein Fanshop.

Es gibt nicht viele Menschen, die drei Fragen und drei Antworten schon als Gespräch bezeichnen würden. Kai Diekmann tut es. Und das passt ja auch, schließlich ist er Bild-Chefredakteur und hat deshalb Verknappungsweltmeister zu sein. Und kontrollfreakiger Egomane, er befragt sich folgerichtig auch gleich selbst. Sein heute gestartetes Blog will uns 100 Tage einladen, ihm bei der Bewältigung dieser Aufgaben und des Lebens im Allgemeinen über die Schulter zu gucken. Und er macht es hübsch geschickt. Er baut in den 20plussonstwas (irgendwann habe ich aufgehört zu lesen) Posts, die er allein heute rausgehauen hat, auf SELBSTIRONIE, Selbstironie und nochmals, ja genau. Und er setzt einen Kniff ein, den Kollege Jan Fleischhauer vom Spiegel nicht nur in seiner Publikation Unter Linken oft und gern anwendet: Er gibt wenig überraschendem Mainstreamtralala einen renitenten Touch, indem er es ständig von der Feindgruppe LINKS (bei Diekmann gebündelt in der taz, die ihm eine eigene Rubrik und gleich mehrere Posts Wert ist) abgrenzt, von der er sich umstellt sieht. Wenn es die nicht gäbe, was dann? Dann würde keiner den Kai mehr hassen und dann wäre ihm ganz schön langweilig. Wer will schon von allen geliebt werden? Nicht mal der eitle Kai. Der will höchstens das haben:

Abb.: auch aus KDs Supermercado.

Und auch wenn ich es nicht recht zugeben mag: Die kriegt er heute von mir für sein Blog. Auch wenn ich mich morgen auf dem Weg zur Kita, wenn ich am Kiosk die Bildschlagzeile nicht übersehen kann, mächtig dafür schämen werde.

Professionell gesprochen: ein sehr gut gemachtes Corporate Blog. Leider.

 

© Juststickit!

Am Wochenende lag es der Mopo bei, nun ist es in Hamburgs Kiosken für einen Euro zu haben: das Panini-Stickeralbun „Hamburg sammelt Hamburg“. Mit 35 Seiten und 216 Stickern etwas schmaler als ein normales Panini versammelt das Klebeheftchen für Lokalpatrioten (und das sind wir Hamburger ja wohl alle) Legenden wie Helmut Schmidt und die HSV-Helden von '83, Udo und Jan Delay, Hagenbeck und mit der Nummer 180 sogar ein Kunstwerk des Bergkristalls unter den hanseatischen Künstlern!

© Juststickit!

Alles sehr hübsch, eine tolle Idee und man verzeiht es den Machern (die es sich nicht verkneifen konnten, sich mit der Nr. 2 einen eigenen Sticker („Die mit der Idee“) zu gönnen), dass sie etliche Firmen einbezogen und das Heft zu einem Corporate Magazine gemacht haben: Die Doppelseite „Von Hamburg in die Welt“ mit Marken wie Nivea, Lichtblick und Alice geht in Ordnung.

Was allerdings gar nicht geht, ist die überdimensionierte Präsenz des Block House.

© Juststickit!

Schon vor S. 3 stecken zwei Bildchen mit dem Block House Nr. 1 in Hamburg (was ja okay ist und vollkommen gereicht hätte) und daneben ein Sticker „Der offene Lavasteingrill“ – der wegen Sinnfreiheit bereits total nervt. Am Ende gibt's dann noch eine Doppelseite Block House mit 12 (!) Stickern – bei 216 für die ganze Stadt einfach nur peinlich. Das tut auch der Marke nicht gut – transportiert wird der Eindruck, dass da jemand den Hals nicht voll bekommen konnte. Keine schöne Assoziation für einen Gastronomen. Und ich weiß, wer einen besonders dicken Hals haben wird: Frank Spilker von „Die Sterne“ findet sich eingerahmt in drei Blockhaus-Sticker vor die letzte Seite geheftet ...

© Juststickit!

 

Die Generation X ist durch, hier und auch sonstmal ist, wenn es um Zielgruppen geht, von der Generation Y die Rede. Das sind die Jungen, die im SM-Modus leben. Social Media ist ihr Ding, die Ypsiloner twittern angeblich, was das Zeug hält. Ich bin eher so eine Generation Z-Kandidatin. Der Undo-Modus, das ist meiner. Öfter mal Apfel Z im wirklichen Leben drücken, das wärs doch. Das Generationenkettchen gibt es auch schon. Hier zu ordern. Auch gut als Wiedergutmachungspräsent nach einem Fehltritt.