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Warum ist das Wochenendjournal des Guardian besser als das, was deutsche Blätter (ja, auch die Süddeutsche kommt da nicht ran) an Magazinen machen? Hier ein Beispiel. In der Rubrik Starters werden die üblichen WasbedauernSieammeistenundwasverdankenSieIhrenEltern-Fragen gestellt. Und dann: „How often do you have sex?“. Oder: „What song would you like played at your furneral?“ Ganz ehrlich: Ich will sowas wissen, nur traut sich ja hier keiner zu fragen. Bin auch nicht sicher, ob ich den Mut gehabt hätte, Dennis Hopper um die Antworten zu bitten. Und bin froh, dass der Guardian es für mich tut.

 

Ja, vielleicht wird es so kommen. Danke, AHOI POLLOI!

 

Warum fragen Parteien keine echten Menschen um Rat, bevor sie ihre Spots – wie soll man es nennen? – verbrecheneiten? Menschen wie Jan Delay zum Beispiel. Kann mich nicht erinnern, mal jemanden so erfrischend Wahlwerbung kommentieren gesehen zu haben. Und sein Fazit, bedauernd die Schultern zuckend in die Kamera erzählt, muss leider geteilt werden: „Die SPD lost jedesmal bei der Wahlwerbung so ab. Die haben's einfach nicht raus.“ Die anderen ja auch nicht aber bei denen tut's einem nicht so leid.

 

Nach doch etwas längerer Abstinenz ist mir heute endlich etwas auf den Schreibtisch geflattert, das auf dieses Blog geschoben werden muss. Wenn das Wort Magalog nicht so doof wäre, würde ich es benutzen, um das vor mir liegende schwarze Heft zu beschreiben: den neuen Katalog des FC St. Pauli. Schon der Vorgänger im Zeitungsformat mit Katalogeinlage als Supplement war äußerst gelungen. Auch er wurde von Benne Ochs fotografiert, von Anna Clea Skoluda wunderbar gestaltet und von beiden erdacht. Ergänzt werden die zwei diesmal von Texter Benjamin Maack und das macht alles so rund, wie es sich für einen Fußballclub gehört:

ST. PAULI IST EIN DORF IN HAMBURG!
In manchen Nächten hat das Viertel hässliche Namen. Dann heißt es Partyhochburg oder Amüsiermeile. Aber wenn das letzte Glas auf dem Hans-Albers-Platz zerdeppert ist und die Wochenendtouristen im Regionalexpress auf dem Weg nach Hause ihren „König der Löwen“ -Rausch ausschlafen, dann wacht das echte St. Pauli auf. Dann übernehmen die Arbeiter und Künstler, Studenten und Rentner, die Familien und Verrückten. Die Menschen, die auch noch hier sind, wenn das ganze Theater aufgehört hat. Sie sind die Gemeinde von St. Pauli, einem Dorf mitten in Hamburg. Kein Dorf, das von Ortsschildern zusammengehalten wird. Sondern von der Idee, dass man mehr vom Leben verlangen darf als ein Häuschen im Grünen.

Dieser Text prangt auf dem Cover, in Courier (der Retro-Schick dieser Schrift passt am besten zum braunen St. Pauli-Lederball-Style) und auf schwarzem Grund. Dann eine 46-seitige Magazinstrecke mit Bildern von Dorfbewohnern in Klamotten des Clubs, sauber getrennt vom daran anschließenden Produktkatalog.

Das alles kommt genau so rüber, wie der Club auch rüberkommen will. Ebenerdig eben. Ein Katalog kann Identität transportieren und damit Brand Communication sein. HALLO, Ikea, Habitat und Konsorten, aufwachen! Das geheht!

Alle Abbildungen stammen aus dem besprochenen Magazin/Katalog.