„Musste an Dich denken, als ich das sah, Täubchen. Weiß auch nicht warum.“ Meines Mannes Worte, als er mir gestern diese im übrigen auch sehr schön anzuhörende Platte von De La Soul schenkte.


S-e-h-r witzig. Hihi. Mir ging es bei dem hier so, Kirsche.
Weiß auch nicht, warum. Oder doch?
Ford Mustang - Serge Gainsbourg from Les yeux contre les murs on Vimeo.

Bei Breaking Bad läuft alles verkehrtrum. Aus diesem kleinen Loch kommt nix raus. Es ist ein Staubsaugerloch, in das es uns schneller, als ein Kolibri blinzeln kann, reingezogen hat. Da drin sitzen wir jetzt fest, haben den Ausgang mit Gaffa-Tape verklebt und projizieren darauf Staffel 1-4. Der Streifenwagen rauscht mit Blaulicht vorbei. Keiner sucht uns. Keiner meint uns. Ein Traum: Let's get lost im Serienhimmel.
Und lasst es ruhig pladdern. Haben wir eben noch einen Grund mehr, uns die nächsten 240 Stunden aber sowas von abzumelden. Kinder sind schon bei Schwiegerelterns.
Tschöhö.
Haben uns gestern die ersten drei Folgen der ersten Staffel reingepfiffen und seither schon 30 mal telefoniert, um uns zu sagen, wie unfassbar geil doch seine Unterhose und Chemie und Kolben und Gase sind und überhaupt und das wir uns da jetzt mal so richtig schön dran festgucken wollen. Alles amtlich in einem fantastischen Dauerritt reinziehen. Das ist so toll und alle, alle sind neidisch, weil sie es schon gesehen haben und der ganze Superstoff noch vor mir und Männe liegt. Grillen am See? Open Air? Kellerparty? Gelage? No, no, no, das wird ein total verchipstes Wochenende im Revolverlauf.

Das Nachtasyl war gestern voller Menschen, die in ihrem Leben mal mehr Geld für Vinyl als für Essen ausgegeben haben. Und ich meine hier nicht drei läppische Monate oder so. Sie sind gekommen, um Camper van Beethoven zu hören, eine Band für Leute, für die Musik Brot ist und bleiben wird. Nerds wie Detlef Diederichsen oder Gereon Klug, die sich zu kleiden und zu benehmen wissen. Die jeden Tag smarter werden und dümmer. Ein Clan von Klugscheißern, der es in den Hüften hat.

So wie Victor Krummenacher – aaachtung, mit zwischen die Brauen geklebtem Glitzerstein, David Lowery, Chris Pedersen, Jonathan Segel und Michael Urbano. Schon nach dem ersten Track flüsterte mein Mann mir zu „Mehr Santa Cruz geht nicht.“ Und tatsächlich, hier sind extrem entspannte Männer am Werk, die wissen, was sie tun und mit ihrer neuen Platte ein Meisterstück hingelegt haben. CvB wissen, dass die besten Surfsongs fernab der Küste, am besten in vernieselten, englischen Industriestädten, geschrieben werden und Ska, Polka und das Rauschen der Wellen sehr gut zusammengehen. Es ist die einzige Band, bei der die Instrumentals meine Lieblingsstücke sind und ich bin weiß Gott kein Keith-Jarrett-The-Köln-Concert-Mädchen. Außerdem kriegen die das hin, dass die Geige nicht nervt, ganz im Gegenteil, und das will wirklich was heißen.
Es wurde getanzt, sehr selbstverständlich und erwachsen, anders als früher und gut. Zwischendurch erzählte die Band Geschichten – sie können das, weil sie aus der Zeit stammen, in der Musikmanager noch Drogen genommen und Musik gehört haben. So lernten wir, dass „Pictures of Matchstick Men“, das Status Quo-Cover, von CvB textlich verändert wurde, weil die Band die Original-Lyrics einfach nicht verstand: Das Englisch war zu fremd. Wer den Titel heute googelt, findet die CvB-Lyrics als Original und ein guter Freund der Band meinte später mal eine komische Band gehört zu haben, die den Song gecovert und das Wording merkwürdig verändert hat.
Worte bleiben also wichtig:
Northern California girls say, "You don't know what you're missing"
I got a good job, stay home and play the guitar
You can raise the children barefoot on the beaches
Teach 'em how to surf and play baseball
Northern California girls say, "Come home from Brooklyn!"
Als ich das gestern wieder einmal hörte, dachte ich: „Ja, Du bist ein Finkenwerder-Girl und warum regst Du Dich eigentlich immer so auf? Du hast einen okayen Job, Dein Mann spielt Gitarre, ihr zeigt euren drei Kindern wie schön es am Deich ist und im Sommer geht's mit dem Landrover der Großeltern nach Frankreich. Zum Surfen. Komm endlich Zuhause an.“ Dass musste schaffen, um entspannt Großes hinzukriegen, summt der Song mir zu.

Noch zur Location. Das Nachtasyl ist ja eine Theaterbar. Das hört sich anstrengend an, ist es aber nicht. Wer erst einmal die vielen, vielen mit grünem Linoleum bezogenen Stufen bis unters Dach des Thalia geklettert ist, kommt in einem Raum an, der oft sehr heiß wird. Aussicht gibt es keine, da Fensterklappen zu hoch. Aber sich auf die schöne Aussicht einer Bar zu beziehen, dass ist so, als wenn Leute erzählen, München sei so toll, weil man von dort schnell in Italien ist. Und da ich nicht auf Mischgetränke stehe, schmeckt das, was aus den Flaschen raus kommt, auch überall gleich. Entscheidend an einer Bar ist doch, mit wem man dort ist. Und ob die, die noch da sind, mal über Musik und Liebe vergessen haben zu essen und zu atmen.

Freue mich immer, wenn ich die Liedanzeige meiner Lieblingsbiester im Netz sehe: Die roten Explicit-Buttons zeigen mir wahre Qualität an. Explizit sein – das ist es doch! Auch wenn uns die Unexpliziten mit ihren Unerheblichkeiten überschwemmen, echte Boys bleiben echte Boys. Und sie haben Epigonen. Jüngst beim Kinderturnen mit meiner Jüngsten einen getroffen. Die Halle ist bei diesem Event immer sehr Testosteron geschwängert, weil die Ladies am Sonntag morgen ausschlafen dürfen und die Väter ran müssen. Papi-Gym – da werden Muckis gezeigt und Klimmzüge an der Sprossenwand geübt, während die Zwerge rumspringen. Süß. Einer fiel mir wegen sehr konsquenter Tätowierung auf: Phil trägt eine Art Leiter auf dem Unterarm, ein langes, sehr akkurat gestochenes Rechteck mit Querbalken. Schön. Fragte ihn, welcher von den Knirpsen in der Halle seiner ist. Er: „Der da, ist aber ein Beutekind.“ Neues Wort für mich, an dem ich lange hängen blieb. Beutekind meint, dass das Kind schon da war bei der Frau, die dann seine wurde. Hat was abenteuerliches, der Begriff, möchte aber nicht wissen, was der leibliche Vater drüber denkt. Beziehungsanbahnung als Beutezug, so ist das heute. Sehr explizit, auf eine Art.
Die Preise für die diesjährige Kunst-Altonale wurden im Altonaer Museum verliehen, stoisch beobachtet von den Galionsfiguren im Untergeschoss. Die unter dem Bugsprieß angebrachten Figuren sind bekanntlich dazu da, das Unglück von Schiff und Besatzung fernzuhalten. Das passt, denn auszuzeichnen galt es Arbeiten zum Thema
Mein Lieblingspreisträger:

Freund Chrisdian hat ein Apothekenschaufenster verspiegelt, um gehetzte Passanten zu verwirren und ihnen einen Blick ins innere Glück nahezulegen. Und die Leutothek anzukündigen.

Das sind alle Gewinner, hübsch bunte Truppe, die Sound-Samples, Visionen der Konsumstadt, Tüten-Makramee und ein Fundbüro der Herzen („Das Glück liegt auf der Straße“) eingerichtet hat.

Mike ist der Fundbüro-Artist. Ich finde, er sieht aus wie Neil Young.
